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Verein für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen e.V.

Brückenkopf-Kastell

An der Gemarkungsgrenze von Wyhlen und Herten befindet sich das spätantike Brückenkopf-Kastell.

Etwa um 300 n. Chr – die Römervilla war zu diesem Zeitpunkt seit rd. 50 Jahren nicht mehr bewohnt und dem Verfall preisgegeben – begannen die spätrömischen Kaiser Diokletian und sein Nachfolger Konstantin mit dem Bau von militärischen Befestigungen entlang der Flussgrenzen des römischen Reiches. Als Donau-Iller-Rhein-Limes wird diese neue Strategie in der Grenzsicherung in den Geschichtsbüchern benannt.

Am (römischen) südlichen Ufer entstand ein großes Kastell: das Castrum Rauracense. Es hatte eine Größe von 292×155 m (etwa 3,5 ha Fläche), mit 4 m dicken und 8 bis 10 m hohen Mauern. Alle vier Seiten hatten Toreingänge, die Längsseiten hatten zwei Ecktürme, zwei Tortürme und vier Zwischentürme und die Schmalseiten zwei Ecktürme, zwei Tortürme und zwei Zwischentürme.

Im Kastell wohnten neben Angehörigen der römischen Armee auch Zivilpersonen. Die kaiserzeitliche Zivilstadt Auguste Raurica war etwa seit 280 n. Chr. nicht mehr bewohnt.

Nachdem das große Kastell in Kaiseraugst wohl im Spätsommer 352 n. Chr. bei einem alamannischen Überfall überrannt und schwer beschädigt wurde, ließ Kaiser Valentinian das Castrum wiederherrichten, und er verstärkte die Grenzsicherung zwischen Bodensee und Basel mit 50 Wachtürmen entlang des südlichen Ufers.

In diesem Zusammenhang wurde um 369 n. Chr. zur zusätzlichen Absicherung auf dem gegenüberliegenden nördlichen feindlichen Ufer ein Brückenkopf errichtet. Dieser wurde mit einem Kleinkastell gesichert: das spätantike Brückenkopf-Kastell Wyhlen.

Was wir haben: der bauliche Befund:

Bei den Grabungen von 1886, 1889 und 1935/36 wurden die Reste von drei Rundtürmen gefunden. Die etwa 2 m starken Mauerreste waren teils noch 90 cm hoch erhalten, Die Turmreste stehen direkt an der Abbruchkante des Hochufers, Zwischenmauern waren nicht mehr nachweisbar.

Die Anlage ist landseitig von bis zu drei Spitzgräben umgeben, seitlich gehen diese in die Hohlwege über, die zum Rheinufer führen.
(Veröffentlicht von Rudolf Laur-Belart in en Badischen Fundberichten 1935, https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0142)

Die Rekonstruktion:

Anhand der erhaltenen Rundtürme wurde ein quadratisches Kleinkastell mit ca. 45 × 45 m und 8 Rundtürmen und Zwischenmauern rekonstruiert.

Was fehlt:

Die Fundamente eines Brückenwiderlagers, wie es auf der Insel Gewerth nachgewiesen wurde.
Die intensive Suche nach einer Straße durch Prof. Rudolf Laur-Belart blieb erfolglos.

Erklärung Begriff „Brückenkopf“
„Im militärischen Sprachgebrauch ist mit einem Brückenkopf eine militärische Stellung auf feindlichem Territorium gemeint, welche vom eigenen Territorium durch einen Fluss, einen See oder ein Meer getrennt ist. Ziel der Errichtung eines Brückenkopfs ist die Erlangung eines strategischen Handlungsspielraumes.“
(Zitat Wikipedia)
Der Begriff bedeutet nicht, daß hier die Ufer mit einer Brücke verbunden waren, sondern daß es am feindlichen Ufer eine gesicherte befestigte Stellung gab, an der man z.B. sicher anlanden konnte.

Brückenkopf-Kastell

Römischer Brückenkopf

Am Grenzach-Wyhlener Rheinufer gibt es bald einen neuen touristischen Anziehungspunkt. Der römische Brückenkopf wird zum Aussichtspunkt umgestaltet.